Eine Therapie setzt eine eingehende Beobachtung und natürlich eine Diagnose voraus. Es sind aber insbesondere die Beobachtungen des/r Betroffenen durch eine/n Therapeut/in, die - entsprechende Fachkenntnis vorausgesetzt - letztlich ausschlaggebend sind für eine bestimmte Therapieform oder ein Mischen verschiedener Formen.
Es versteht sich von selbst, dass alle Therapeuten/innen mit den Eltern zusammenarbeiten müssen, um Erfolge verzeichnen zu können. Auch die einzelnen Therapeuten untereinander sollten ihre Erfahrungen in regelmäßen Abständen austauschen.
Eltern sollten dennoch immer kritisch gegenüber neuen Therapieansätzen sein, eine kritische Überprüfung des/r Therapeuten/in wäre auch anzuraten. Es sind letzten Endes die Bezugspersonen (Eltern), die das betroffene Kind am besten kennen und die meiste Zeit mit ihm verbringen und dadurch auch Erfolge und Mißerfolge hautnah erleben. Und es gibt leider genug Therapeuten/innen, die sich mit Autismus nicht so recht auskennen. Wenn aber ein/e Therapeut/in auf die nachfolgenden Methoden näher eingehen kann, ist davon auszugehen, dass Fachkenntnisse im autismusspezifischen Bereich vorliegen.
Um Weiterführendes über die verschiedenen Methoden zu erfahren, klicken Sie bitte auf die entsprechende Überschrift oder nutzen Sie die Navigation auf der linken Seite. Sie werden auf eine Unterseite der Rubrik Therapieformen weitergeleitet. Mit Ausnahme der Festhaltetherapie gilt für alle hier vorgestellten Therapien, dass der Betroffene immer Spaß an der Arbeit hat, er nicht überfordert wird und nie zu etwas gezwungen wird, das er nicht oder noch nicht leisten kann.
Außer den vorgenannten Therapiemöglichkeiten gibt es weitere Therapien, die im Rahmen einer autismusspezifischen Therapie genannt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Autosuggestionstherapie aus dem Jahre 1983/84, die Tomatis-Therapie, die Tanztherapie aus dem Jahre 1986 und die Dunkelzimmertherapie (circa 1988). Auch die Bachblütentherapie bei Autismus und eine Behandlung auf homöopathischer Basis werden vereinzelt genannt.
Alle genannten Therapien bzw. Behandlungen sind nicht wissenschaftlich fundiert. Jedoch sei gesagt, dass vereinzelt auch solche Therapien von Erfolg gekrönt sein können. Wer sich für diese Therapien interessiert, sollte das Internet gezielt nach diesen Themen durchforsten.
So wichtig eine autismusspezifische Therapie durch Fachkräfte für Betroffene ist, Eltern können auch viel zum Gelingen beitragen. Es versteht sich von selbst, dass eine Therapie von 1 bis 2 Stunden pro Woche keinesfalls ausreicht, um autistisch Behinderte wirkungsvoll zu therapieren. Erst wenn Eltern, angeleitet von Fachkräften, in der übrigen Zeit ebenfalls Therapien anwenden, können einige Auffälligkeiten gemildert werden oder sogar weitgehend verschwinden.
Es gibt sogar Eltern, die ganz ohne fachliche Unterstützung ihre Kinder soweit "therapierten", dass die Kinder einige autistische Verhaltensweisen abgelegt haben. Es sind Ausnahme-Eltern, gewiss, aber es sind Eltern, die mit viel Einfühlungsvermögen Beachtliches geleistet haben. Sie wandten Methoden an, von denen sie nicht wussten, dass sie Teil einer autismusspezifischen Therapie sind. Es sind Eltern, die viel Zeit investierten und sich von Rückschlägen nicht entmutigen ließen. Dennoch benötigen selbst noch so engagierte Eltern Unterstützung durch Fachkräfte.
Unter Infos für Eltern finden Sie Methoden, mit denen andere Eltern ihre Kinder erfolgreich therapierten und weitere Informationen.
Hellmut Hartmann, ein bekannter deutscher Autismusforscher und selbstverständlich auch Therapeut stellte die Therapieform erstmalig 1986 vor. Es handelt sich hierbei um eine Zwei-System-Theorie aus Bekanntem und Neuem.
Der Therapeut beginnt zunächst damit, Verhaltensweisen bzw. Äußerungen (Laute) des Betroffenen zu imitieren und findet damit einen ersten Zugang zum Betroffenen. Diese Form der (ersten) Kontaktaufnahme könnte man auch mit "Spiegeln" bezeichnen. Nach und nach werden die vom Betroffenen gezeigten Verhaltensweisen vom Therapeuten leicht variiert. Das kann eine winzige Änderung in der Bewegung oder eine leicht veränderte Lautäußerung oder auch nur eine etwas andere Betonung sein. Der Betroffene nimmt die Änderung nicht als bedrohlich oder angsteinflößend wahr und wird stattdessen neugierig gemacht.
In der nächsten Phase hat der Betroffene die Möglichkeit, seinerseits den Therapeuten zu imitieren. Durch die Wiederholung der Bewegungen des Therapeuten wird die neue Bewegung zu etwas Bekanntem. Schrittweise wird der Betroffene durch die Verknüpfung von Bekanntem und Neuem auf "normale" Bewegungen umgestellt.
Die Aufmerksamkeits-Interaktionstherapie gewann in den letzten Jahren zahlreiche Anhänger und Anwender und gilt als besonders schonend.
Die sensorische Integrationstherapie hat sich in den letzten Jahren als Basistherapie einen Namen gemacht. Ziel dieser Therapie ist es, Auffälligkeiten in der Wahrnehmung zu mildern oder gar zu normalisieren.
Zunächst wird vor dem eigentlichen Therapiebeginn der Betroffene genau beobachtet. Da der Therapeut auf den Betroffenen eingeht, ist eine genaue Schilderung des Therapieverlaufs an dieser Stelle nicht möglich und kann nur an ein paar Beispielen erklärt werden. Wichtig ist jedoch immer, dass die Therapie dem Betroffenen Spaß macht und die sensorische Integrationstherapie erfordert vom Therapeuten Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.
Manche Autisten lassen sich nicht berühren. Ziel ist es daher zunächst, eine Körperstelle zu finden, an dessen Stelle der Betroffene Berührung zulässt. Manche Autisten lassen sich gern die Füße massieren oder dulden eine leichte Berührung am Nacken. Andere lassen sich mit einem Schwamm berühren oder anderen Gegenständen (Feder, Kugel etc). Bereitet das dem Betroffenen Freude, wird die Berührung wiederholt, wenn nicht, muss die Art und Weise (z.B. einen anderen Gegenstand nehmen) verändert oder der Druck verringert oder erhöht werden.
Es gibt Autisten, die auf den Armen keine Kleidung vertragen und selbst im Winter nur kurzärmelige Kleidung tragen. Hier wird schrittweise mit verschiedenen Stoffen experimentiert, mit denen die Arme berührt werden. Nimmt der Betroffene eine solche Handlung an, wird die Berührung weiter ausgebaut, wenn nicht, muss nach anderen Möglichkeiten gesucht werden.
Die Verhaltenstherapie ist wohl die bekannteste Therapieform und zielt, wie der Name vermuten lässt, auf eine Änderung des Verhaltens.
Zunächst wird überlegt, welches Verhalten verbessert, geändert oder ganz ausgeschaltet werden soll. Danach beginnt die eigentliche Therapie. Geübt werden so einfache Dinge wie etwa das tägliche An- und Auskleiden, die Benutzung der Toilette und allgemeine Sauberkeitsrituale (Waschen, Duschen, Hände waschen, Zähneputzen etc). Kurz: Es wird alles geübt, das zum täglichen Leben gehört, also auch Höflichkeitsfloskeln und ähnliches. Außerdem sollen Auffälligkeiten im Sozialverhalten weitgehend abgebaut werden.
Betroffene, die geringe Auffälligkeiten aufweisen, werden auf weitreichendere Dinge vorbereitet. Dazu zählen die Benutzung öffentlicher Einrichtungen wie etwa Disco, Theater, Museum und Freizeitparks, aber auch der Besuch eines Schwimmbades neben der Benutzung öffentlicher Transportmittel (Bus, Bahn etc) und natürlich auch der Besuch einer Schule.
Bei der Verhaltenstherapie muss des öfteren gegen den Willen des Betroffenen gearbeitet werden, um eine Änderung herbeizuführen. Leider können dadurch Nebenwirkungen auftreten. Eine solch unbeabsichtigte Nebenwirkung kann zum Beispiel der Rückfall in eine frühere Auffälligkeit sein.
Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Therapieform um eine Methode, die auf Gelerntem bzw. Antrainiertem aufbaut. Voraussetzung ist jedoch, dass bereits einfache Störungen in der Wahrnehmung weitgehend normalisiert sind. Die individuelle Aufbautherapie ist keine in sich geschlossene Therapieform, sondern behinhaltet andere Therapien wie etwa die kommunikative Sprachtherapie oder auch die lautsprachbegleitdende Gebärdensprache im sprachlichen Bereich und im Bereich der Auffälligkeiten im Sozialverhalten auch die Verhaltenstherapie.
Zunächst wird der Betroffene wie bei fast allen Therapien beobachtet, um dann die Entscheidung zu treffen, welche Fähigkeiten gefördert werden sollen. Bereits vorhandene Fähigkeiten werden weiter trainiert, Verhaltensauffälligkeiten (Aggressionen, zwanghafte Rituale, Stereotypen etc) nach Möglichkeit abgebaut.
Informieren Sie sich bitte auch über die kommunikative Sprachtherapie und die lautsprachbegleitdende Gebärdensprache, sowie über die Verhaltenstherapie, die Teil der individuellen Aufbautherapie sind.
Volker Helbig, ein Psychologe aus Bremen, entwickelte etwa 1988 die kommunikative Sprachtherapie, die sich aus seiner praktischen Arbeit mit Autisten und nicht autistischen Kindern herauskristalisierte.
Bei der kommunikativen Sprachtherapie spricht der Therapeut dem Betroffenen Worte oder ganze Sätze vor, die wiederum vom Betroffenen imitiert werden. Es sind dabei Worte oder Sätze, die der Betroffene selbst als passend betrachtet. Schrittweise lernt der Betroffene dabei, dass man mittels Sprache etwas erreichen kann. Sei es, dass man etwas zu Trinken oder den geliebten Ball erhält oder anderes.
Letzten Endes setzt diese Therapie auf eine einfache Kommunikation, die zwischen Eltern und Kleinstkindern üblich ist. Schrittweise kann die sprachliche Kommunikation ausgebaut werden. Immer jedoch steht der Betroffene im Vordergrund, es soll Spaß machen und der Betroffene soll aufgrund positiver Erfahrung zu eigenen sprachlichen Experimenten animiert werden.
Viele autistisch behinderte Menschen können nicht sprechen oder lernen nur sehr mühevoll die Sprache. Insbesondere für Autisten, die nicht sprechen können, hat sich die lautsprachbegleitende Gebärden oder Gebärdensprache bewährt. Diese Methode ist keine Therapie im eigentlichen Sinn, denn sie setzt auf das Erlernen einfacher Gebärden oder Laute, um wiederum auf einfache, eigene Bedürfnisse hinzuweisen.
Die Gebärdensprache ist eine Kommunikationsmöglichkeit, die es stummen bzw. taubstummen Menschen ermöglicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Die lautsprachbegleitende Gebärdensprache ist ähnlich aufgebaut. Hier lernt der Betroffene, dass eine einfache Handbewegung zum Beispiel für das Bedürfnis "Trinken" steht. Autisten, die Laute von sich geben können, werden einfache Laute beigebracht, die ebenfalls für ein Bedürfnis wie "Essen" stehen. Selbst vollständige Sätze - vorausgesetzt, der Betroffene ist dazu in der Lage - können einstudiert werden.
Die Festhaltetherapie ist in der Fachwelt umstritten und ist die einzige Therapie, die komplett auf Zwang setzt. Man spricht auch von erzwungenem Halten (englisch: Holding). Entwickelt wurde diese Methode von verschiedenen Therapeuten/innen. Die bekannteste Anhängerin ist die Amerikanerin Martha Welch.
Bei der Festhaltetherapie geht man von einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung aus. Mit einem zwanghaften Festhalten des Betroffenen durch die Bezugperson (meist die Mutter) soll das fehlende Urvertrauen aufgebaut bzw. wieder hergestellt werden. Der Betroffene soll auf diese Weise verlorengegangene Zuneigung erfahren und wird solange - auch gegen den eigenen Willen - festgehalten, bis der Betroffene den Widerstand aufgibt.
Bis heute haben die Anhänger dieser Therapieform keine fundierten Beweise erbringen können, dass diese Methode Wirkung gezeigt hat. Die Festhaltetherapie findet in der autismusspezifischen Therapie heute keine Anwendung mehr.
Dennoch wissen wir von einer Mutter, die ihr Kind mit einer abgewandelten Form dieser Therapie erfolgreich an Berührungen (Umarmungen, Liebkosungen) gewöhnt hat. Jedoch sei hier mitgeteilt, dass die Mutter ihr Kind dabei nie überanstrengte. Die Mutter ließ ihrem Kind entgegen dem Leitgedanken des erzwungen Haltens immer die freie Wahl des Zeitpunktes und der Dauer der Umarmung. Unter den Erfahrungsberichten (nur für Mitglieder) finden Sie einen Bericht dieser Mutter über ihren zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alten Sohn. Bitte bedenken Sie jedoch, dass es sich unseres Wissens dabei um einen einmaligen Fall handelt, der nicht wissenschaftlich belegt ist.