Autismus Deutschland - Regionalverband Westerwald-Mittelrhein e.V. (WeMi)
Körperkontakt zuzulassen, fällt vielen Kindern mit Autismus schwer. Es dauert lange, bis sich eine Änderung zeigt, rechnen Sie mit etwa einem Jahr Training. Nutzen Sie für solche Aktivitäten eine Zeit, in der sich Ihr Kind wohlfühlt.
Bitte bedenken Sie, dass nicht jede genannte Empfehlung für jedes autistische Kind geeignet ist. Probieren Sie von den hier beschriebenen Methoden nur die aus, von denen Sie selbst überzeugt sind und die Ihr Kind auch annimmt. Bedenken Sie bitte auch, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell eine Änderung herbeizuführen, sondern eine langsame, dafür aber umso erfolgreichere Methode den größeren und dauerhafteren Nutzen hat.
Finden Sie zunächst heraus, ob Ihr Kind an gewissen Körperstellen Berührung erlaubt und in welcher Intensität (leichte oder feste Berührung, Druck oder Streicheln usw.) Manche Kinder lassen sich an den Füßen oder im Nacken berühren. Sobald Sie herausgefunden haben, an welchen Stellen Ihr Kind Berührung zulässt, streicheln oder massieren Sie es dort. Probieren Sie auch Gegenstände aller Art aus (Feder, Ball, feste oder weiche Gegenstände, Schwämme, Tücher etc.) und experimentieren Sie auch mit Pusten über Arme oder Beine. Weiten Sie allmählich die Dauer der Berührung aus und variieren Sie die Art und Weise der Berührung. Hören Sie auf, wenn Ihrem Kind die Berührung unangenehm wird.
Sofern es dem Kind Spaß macht, eignen sich Raufen und Balgen oder Fangen spielen hervorragend, um ein autistisches Kind auf Umarmungen vorzubereiten. In jedem Fall sollte die nachfolgende Methode in ein Spiel integriert werden.
Fangen Sie Ihr Kind und halten Sie es solange fest, bis Sie merken, dass Ihrem Kind die Umklammerung unangenehm wird. Halten Sie Ihr Kind allmählich immer etwas länger fest, aber nie gegen den Willen Ihres Kindes. Je öfter Sie Fangen spielen, desto schneller werden Sie feststellen, wann die Grenze der Zumutbarkeit erreicht ist.
Wer nicht berührt werden möchte, lässt erst recht keine Küsschen zu. Es ist daher wichtig, zunächst Körperkontakt aufzubauen (siehe oben). Um miteinander zu kuscheln, eignet sich die Zubettgehzeit.
Integrieren Sie "Küsschen geben" in ein Spiel, das Ihrem Kind Spaß macht. Wenn Ihr Kind keine angefeuchteten Lippen erträgt, achten Sie darauf, dass Ihre Lippen immer trocken sind.
Legen Sie sich zum Beispiel bei der Gute-Nacht-Geschichte zu Ihrem Kind ins Bett. Bemühen Sie sich darum, dass sich Ihr Kind an Sie kuschelt bzw. versuchen Sie, Ihr Kind dabei in den Arm zu nehmen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie sich darüber freuen, wenn es sich freiwillig an Sie kuschelt und unterlassen Sie solche Mitteilungen, wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind daraufhin zurückzieht. Kuschelzeiten können natürlich auch auf dem Sofa stattfinden und ganz allgemein überall dort, wo sich Ihr Kind wohlfühlt und in einer Zeit, in der es aufnahmefähig ist. Verlangen Sie aber nie mehr als Ihr Kind zu geben bereit ist.
Um bei der Variante der Gute-Nacht-Geschichte zu bleiben, können Sie beim Kuscheln "ganz unbeabsichtigt" die Wange Ihres Kindes mit Ihrer eigenen Wange streifen, später dann evt. mit dem Mund. Wenn Ihr Kind diesen "Angriff" zulässt oder nicht bemerkt, können Sie versuchen, Ihrem Kind in späteren Versuchen ein Küsschen auf die Wange zu hauchen. In keinem Fall darf ein solches Vorgehen als Bedrohung empfunden werden. Unzählige kleine Schritte sind besser als ein einziger großer Schritt!
Weiten Sie allmählich das Küsschen geben aus, indem Sie dies öfter tun und bei diversen anderen Gelegenheiten. Zum Beispiel: Ihr Kind sitzt über den Hausaufgaben, Sie begutachten die Arbeiten und streifen dabei wiederum "ganz unbeabsichtigt" die Wange Ihres Kindes zunächst mit Ihrer eigenen Wange, später dann auch mit Ihrem Mund.
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